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Ok, I got it
2008 - was lange währt...
„Aller guten Dinge sind Drei“, sagt der Volksmund. Dem folgend brauchte es dann doch wohl drei Anläufe, Slowenien zu besuchen.
Der erste war nur kurz und wurde sofort abgelehnt, damals 2004 in Assling, im Gasthaus Trojer. Da, wo der, der damals noch der war, der bis dahin immer dabei gewesen war, so gern nach Slowenien gefahren wäre, die Caballeromehrheit sich aber für den Gardasee entschied.
Zweitausendsieben sollte Slowenien das Ziel der Gesamttour werden, wurde aber im Poker mit Mehdorn icekalt verzockt. Damit stand für 2008 natürlich fest, dass der dritte Versuch erfolgreich sein würde, so oder so.

Leichtes Spiel, denn die Vorbereitungen waren nur ein Wiedereinstieg in die schon im Vorjahr angegangene Thematik. Es fand sich sogar zügig ein Termin, zu dem alle ihre Teilnahme zusagten. Allerdings kam es im Verlauf der nachfolgenden Wochen zu tief greifenden Differenzen innerhalb der Gruppe, die sich als so unüberbrückbar erwiesen, dass ein Caballero schlussendlich seinen Helm nahm und ausstieg, um in Zukunft ausschließlich eigene Kurven zu fahren.

But nevertheless, die zwei Abteile in Mehdorns rollendem „Hotel“ waren gebucht, the show must go on. Zweifel daran kamen auch nicht auf.
Die Besetzung der Tour 2008 beschränkte sich somit ausschließlich auf sieben Caballeros. Kein Gast, kein Zuschauer, kein Besuch und kein Sozius! Kein Sozius? In seiner ihm eigenen Vehemenz überraschte der Vorundvorvorjahressozius zu Jahresbeginn mit einer nagelneuen Fahrerlaubnis und einer ebensolchen CBF 600 F. Dies allein erschien schon überraschend, wurde aber nochmals übertroffen von seiner Begeisterung für diese Art der Fortbewegung, die er offenbar seit je her im Blut hatte - von nur wenigen vorher für möglich gehalten.
Dass seine 600er die rote Hubraumlaterne übernahm, war ihm schlichtweg „Latte“, denn die FZR der Vorjahre wurde von „Irene“ abgelöst, einer überaus hübschen FZ1 Fazer, die in die erlauchte Runde einsteigen und die Karte tragen durfte.
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In den noch verbleibenden Wochen stieg die Vorfreude kontinuierlich und potenzierte sich letztlich täglich. Zug und Unterkünfte gebucht, Mopeds und Fahrer fit, also worauf warten.
Let’s get ready to ride!

Am Tage X wurde der traditionelle Startpunkt angesteuert, um traditionelle Last aufzunehmen: holländischer Hopfensud und Oma Hettis unbelievable Frikadellen.
Das erste Stück hieß Autobahn, zum Einrollen, weil noch genug Kurven kommen sollten, weil es der direkte Weg nach Düsseldorf war, zur Laderampe von DB Autozug.
An der Abfertigung trafen die erwartungsfrohen Caballeros auf einen 73-jährigen Biker, der mit seiner Lebenssozia und einem Burgmann 400 Richtung Salzburg eincheckte, zu einem 2-wöchigen Motorradurlaub. Er erzählte anschaulich von deren gemeinsamen, regelmäßigen Motorradtouren in alle Teile Europas, bis zuletzt noch auf einer 1200er Bandit und aus gesundheitlichen Gründen nun auf einem Komfortroller. Außerordentlich beneidenswert - hoffentlich hatte der Obercaballero mitgehört und es sich gemerkt, für später. Das wären dann noch mehr als 20 Jahre auf zwei Rädern, zu schön um wahr zu sein.

Einchecken, verladen, sortieren, verpflegen, allesamt routinierte Handgriffe, die wie von selbst abliefen. Leider waren die Nahrungsreserven viel zu schnell erschöpft, aber das kannten sie schon. Die Nachtruhe war als solche nicht zu bezeichnen, aber das kannten sie auch schon. Mehdorns rollendes Hotel in Kombination mit ihrem eigenen Geräuschvirtuosen der Referenzklasse ist immer ein besonderes Erlebnis. Ruhe klingt anders.

Ein eher unansehnlicher Blick auf Salzburg war ihr erster Festlandeindruck. Aber auch das kannten sie schon, Bahnhofsrückseiten sind überwiegend schäbig. Ohne dem große Bedeutung beizumessen, wurden die Mopeds vom Hänger gefahren, Gepäck verzurrt, und in östliche Richtung losgerollt.
Auf dem Schwenk zum Süden betraten sie kurz den heiligen Boden des Salzburgrings, bevor es in Werfen zur Frühstückspause und über Bischofshofen zum Tauernpass ging, der ersten Passüberquerung der Tour und der allerallerersten für Peter, CBF und Irene. Ebenso wie die nachfolgende Turracher Höhe erweckte es den Anschein, als sei die Region eher dem gemeinen Skitouristen zugedacht, denn das Leben war genauso spärlich, wie die letzten Schneereste.
Die Einfahrt in die Nockalmstraße brachte die erwartete erste Mautstelle. Sieben Euronen für jedes Motorrad, wobei die Landschaft und Straßenbedingungen durchaus eine Belohnung verdient hatten, zumal genau eine Woche zuvor an gleicher Stelle der letzte Schnee fiel und das Fahren bestimmt unmöglich gemacht hatte.
Wie zu jeder Touristenattraktion gehörten auch die Reisebusse ins Bild, ebenso wie die gediegenen Toilettenhäuschen. Alles in allem ist die Nockalmstraße als Abstecher empfehlenswert und der obligatorische Maut-Aufkleber seine 7 Euro wert.

Nach einer Kaffeepause in Gmünd kam die Einfahrt in die Malta Hochalmstraße, an der ein weiteres Mal Maut erhoben wurde. Diesmal waren es 8,20 Euro für eine 13 Kilometer lange Fahrtstrecke, die ihre besonderen Erlebnisse bot. Wo sonst findet man eine klatschnasse Spitzkehre in einem unbeleuchteten Reservetunnel der augenscheinlich aus dem Mittelalter stammt, eine Verkehrsampel mit frech angekündigten, maximalen 20 Minuten Wartezeit und wo findet sich ein so spektakulärer Ausblick auf eine Symbiose aus Fels und Beton, der 200 m hohen Staumauer der Kölnbreinsperre in einer Höhe von knapp 2000 m über Holland.
Die Strecke, das Licht, neudeutsch: die Location wurde für ein paar Fotos genutzt und dann ab zum Hotel. Helm ab, Jacke aus und … auch hierbei allesamt routinierte Handgriffe.

Gerade noch kontrollierbare Euphorie ist eine durchaus treffende Beschreibung, um den Caballerogemütszustand zu diesem Zeitpunkt zu definieren. Der Beginn des lang ersehnten Urlaubs, die erste überaus gelungene Etappe mit 293 kurzweiligen Kilometern, die überwältigende Natur 2.000.000 mm über dem Meeresspiegel, die Unterbringung in dem einzigartigen Hotelturm unmittelbar neben der Staumauer mit einer atemberaubenden Aussicht, der idyllische Sonnenuntergang am Ende des Sees… Grund genug ein paar trockene Vorsätze unberücksichtigt gelassen zu haben. Auch der Koch profitierte von dieser Stimmung und ihm wurde für den harten Filetanteil im Grillteller Absolution erteilt, zumal er zur freundlichen Wiedergutmachung eine tote Pute schickte.
hier oben steht das Hotel mit der unglaublichsten Aussicht
Der Dienstagmorgen begann mit der gleichen Freude, mit der der Montag endete. Der See im strahlenden Sonnenschein zwang zu einer Fotorunde, wobei die aufkommende Wärme immer mehr zur Abfahrt riet. Diese war allerdings schon nach zwei Minuten unterbrochen, weil die erste Ampel zur Pause zwang. Die Sonne forderte sie hierbei schon auf, an der Felswand einen schattigen Warteplatz zu suchen. Im weiteren Verlauf der Abfahrt kamen sie schließlich auch noch in den Genuss der vollen zwanzig Minuten Rotlicht.
Der höchste Wasserfall Kärntens, der Fellbach-Wasserfall, lockte mit einer ansprechenden Optik, die aus der Nähe zu betrachten allerdings 3 Euro erfordert hätte, was bei knapp 30° dann doch nicht sein musste. Die weitere Route führte einer gelben Strecke folgend über Trebesing und Leudorf, weiter über die 100 und 81 zum Weißensee.
Erstaunlich bleibt immer wieder das Verhältnis von Karteneintrag und tatsächlichem Streckenverlauf. Da gibt es eine „gelbe“ Strecke auf der Karte, die tatsächlich nicht zu finden ist, „weiße“ Strecken, die „roten“ ebenbürtig sind und kaum geschwungene Linien, die sich vor Ort als äußerst kurviger Streckenverlauf vorstellen. So ein Teilstück befindet sich als Bundesstraße 81 südlich der B 100, zum Weißensee führend. Überaus genussvoll geschwungen ist den Erbauern nachträglicher Dank aller Biker sicher.
Beim Brückenwirt in Teckendorf am Weißensee wurde bei Milchkaffee und Kuchen darüber beratschlagt, ob eine als 15 km Schotterstrecke angekündigte Baustelle mit 40 Mehrkilometern umfahren werden sollte. Nahezu völlig ungeübt auf Schotter hatte diese Ankündigung durchaus ihren Schrecken. Die Offroader unter ihnen entschieden dann für den kurzen, harten Weg, der sich letztlich doch nur als nur 3,5 km Staubschlucken zeigte und die fahrerischen Grenzen allenfalls am Horizont andeutete.

Italien sollte ursprünglich über den Nassfeldpass erreicht werden, der allerdings aufgrund von Bauarbeiten gesperrt war. Alternativ ging es über Tarvisio zum Lago di Predil, wo schon eine zunehmende Häufung von Motorradtouristen feststellbar war. Nach kurzem Stopp, bei dem der Fortbilder unter ihnen nicht aus seiner Haut kam und sogar die vorwitzigen italienischen Enten mit internationalen Kommandos in ihre Schranken weisen musste, verließen sie Italien über den Predilpass. Kurz dahinter bestätigte sich der nächste, schon befürchtete Wermutstropfen, denn die Auffahrt auf den Mangartsattel war allen Hoffnungen zum Trotz tatsächlich gesperrt. Es hatte den Anschein, als seien die Aufräumarbeiten infolge eines Erdrutsches ursächlich für die Sperrung. Sehr bedauerlich, zumal die äußeren Bedingungen für eine Fotoserie an dieser ausgefallenen Location besonders günstig gewesen wären, denn die Nachmittagssonne hatte jede Menge Luxen freien Lauf gelassen.
Die Tränen waren alsbald getrocknet, beim Anblick des Triglav-Nationalparks und der südlichen Anfahrt zum Vrsicpass. So traurig die Geschichte des Passes ist, so schön ist die Fahrt in nördliche Richtung. Die Abfahrt weckte schnell die Erinnerung an einen Reisebericht, in dem von den 26 gepflasterten Spitzkehren berichtet wurde. „Ach ja, gar nicht mehr daran gedacht!“ Aber halb so wild, vielleicht auch, weil die Sonne mit ihnen im Bunde war, denn Pflasterspitzkehren bei Regen…? Wer weiß, wie viel Spaß sie dann noch gemacht hätten.
Der Rest war Ausrollen nach Kranjska Gora, einem hübschen Skiort mit einer überraschend guten Unterkunft, an der sie freundlichst empfangen wurden. Die Sonne schien, die 244 Kilometer des Tages waren geschafft, so dass es hieß: „Helm ab, Jacke aus und…“
Eine Erwähnung bedarf noch das abendliche Mahl im Hotel Kortnik, in dem Pizzas serviert wurden, die auch von Superlativsparfüchsen ein „die Beste, die ich jemals aß“ bekamen. In der nebenan gelegenen Bodega gab es vor dem Schlafengehen noch sechs Scheidebecher und einen großen „Ichtrinknixmehr“, ein dunkelroter, explosionsfähiger Fruchtsaft.
Nach dem Abschied von Kranjska Gora mit dem Gefühl, bestimmt noch mal wieder zu kommen, ging der Weg über eine durchaus attraktiv verbogene Hauptstraße nach Bled, dem slowenischen Touristenmagnet. Um den Fahrspaß in höhere Regionen zu treiben, wurde der Weg durchs Radovnatal gewählt, laut Karte eine gelbe Strecke. In Mojstrana bot sich nur eine Gelegenheit, die in südliche Richtung führte, allerdings eher einer Hofzufahrt ähnelte. Selbst nach dem Testeinstieg des Scouts erntete er bei der Zusicherung auf dem richtigen Weg zu sein, größtenteils fragende Blicke. So kletterten sie eine brüchige Asphaltstiege hinauf, durchquerten einige Gärten auf einem kleinen Wirtschaftsweg, um kurz hinter der Bebauung auf eine nagelneue Asphaltpiste zu stoßen, die für Motorradrennen gebaut schien. Die Verwunderung hielt an, auch als die Strecke immer schmaler wurde, in brüchigen Asphalt überging und letztlich mit einem Schild das Ende der Asphaltierung ankündigte. Es folgte eine kilometerlange Schotterbahn, die später in festgefahrenen Waldboden überging und sich stolz mit der Straßennummer 907 schmückte. Das war nach dem Baustellenabschnitt des Vortages DIE Schotter-Feuerprobe. Die Furcht wich nach und nach der Selbstsicherheit über die hinzugewonnenen Fähigkeiten.

Im Vorbeifahren wurde in Bled ein Blick auf die berühmte Kirche geworfen, da die touristische Fülle nicht zum längeren Verweilen einlud und kein aktueller Liebeskummer zu bearbeiten war. (s. Reiseführer Slowenien)
Auch der Bohinjsko Jezero, der größte See Sloweniens, zeigte sich von seiner touristisch einnehmenden Seite, denn jeder denkbare Parkraum war mit Geldschluck-Automaten versehen. Nur die Zufahrt einer kleinen Kapelle blieb kostenfrei und der dazugehörige Steg wurde kurzerhand als Pausenarena eingenommen. Die Außentemperaturen luden sehr zum Bad ein. Die Tatsache, dass eine Woche zuvor noch Schnee gefallen war,   und die damit einhergehende Wassertemperatur weniger. Es gab dann doch drei von ihnen, die sich wagten, ihren Kreislauf auf eine harte Probe zu stellen. Und obwohl sie beim Verlassen des Wassers von der angenehmen Frische schwärmten, sprachen kaum noch erkennbare Kleinigkeiten dafür, „etwas“ untertrieben zu haben.

Auf der angeblichen 910, die tatsächlich 909 heißt, sehr verschieden in den Zuständen, aber eine sehr attraktive Strecke ist, gelangten sie nach Podbrdo. Der Zufall führte sie zu Rudi Zgaga, dem Inhaber einer kleinen Schänke am Wegesrand. Er überließ ihnen nicht nur kurzfristig sein Lokal, bot seine Hilfe an für alle in der Zukunft in der Region bestehenden Probleme, sondern lud sie überdies ein, bei der nächsten Reise in dem Landstrich bei ihm unterzukommen. Alles in allem ein Mensch, von denen es viel zu wenige gibt. Und wenn es nicht so weit wäre…
Mit Rudis Bergwasser befüllten Flaschen ging die Fahrt weiter über eine „weiße“ Straße nach Bukovo, auf die 102 nach Idrija und weiter nach Logatec. Was auf der Karte als Hauptverkehrsstrecke angekündigt war, zeigte sich als schnalzend schöne Kurvensammlung, die bis nach Postojna durchging.
Auf dem Weg zur Herberge im Süden der Stadt gab es noch einen Abstecher zur Touriattraktion „Predjamski Grad“, einer in den Fels gebauten Burg, aus dem 13., bzw. 16. Jahrhundert. Auf dem überraschend schönen Weg dorthin streiften sie die Parkplatzanlage der Tropfsteinhöhle „Postojnska Jama“, die aufgrund ihrer Größe und Gestaltung schon eine Touristenflut vermuten ließ. So blieb es bei ein paar Blicken von außen und der Entscheidung, ihren Platz in der Warteschlange anderen zu überlassen.
In Prestanek angekommen wurden sie freundlich empfangen, wobei der erste Blick auf die Herberge schon ein zartes Naserümpfen hervorrief. Der Pflegezustand war „in Teilen verbesserungsbedürftig“, was allerdings zunächst nicht vorrangig bewertet wurde, denn der Herr des Hauses hatte den Tisch mit Goldhorn’s Hopfen und aufgesetztem Heidelbeersaft gedeckt, so dass es hieß: „Helm ab…
Auch die sparsamen Grillteller im nahe gelegenen Lokal waren nicht wirklich geeignet, die gute Laune zu beschädigen. Im Gegenteil, sie war derart ansteckend, dass sich Nachbars Katzenkinder kurzerhand entschieden, sich der fröhlichen Truppe anzuschließen.
Der Donnerstag war auserkoren, den Weg zum Mittelmeer zu suchen. Auf diesem wollten sie, dem Rat des Herbergsvaters folgend, das Unesco-Weltkulturerbe, die Höhle „Skocjanske Jame“ besuchen. Dort stellte sich jedoch heraus, dass es bis zur nächsten Führung in slowenischer Sprache 90 Minuten Geduld und 14 Euro pro Nase erfordert hätte und das bei nahezu 30°. So wurde umdisponiert und die Höhle blieb zumindest von den Caballeros unentdeckt.
Sie fuhren weiter nach Lipica, der Stadt, die für ihre Pferdezucht weltbekannt geworden ist. Die großflächigen Weiden des Gestüts, allesamt mit weißen Holzzäunen begrenzt und altem Baumbestand versehen, boten eine besondere Idylle mit großen Herden stolzer, weißer Pferde. Das Gestüt schien jedoch mittlerweile mehr auf Touristen, als auf die Pferdezucht ausgerichtet zu sein, denn auch hier wurde ein saftiges Eintrittsgeld für einen Blick hinter die Mauern verlangt. Allerorts ein kräftiger Griff in die Taschen der neuen Mitbürger des gemeinsamen Europas, Entwicklungshilfe auf höchstem Niveau.

Es folgte ein kurzer Abschnitt durch Italien, vorbei an Triest und der Weiterfahrt Richtung Crni Kal. Bei diesem Teilstück waren offensichtlich die Straßenbauer am Werk, die auch solche Strecken wie Hockenheim- und Nürburgring entworfen und erstellt haben. Nur die Sorge vor einer Geschwindigkeitskontrolle ließ die Caballeros allzu große Unvernunft vermeiden.
Blicke auf Triest, auf den schiefen Kirchturm von Crni Kal, sowie auf die weltberühmte Kletterwand im Karstbruch von Osp lagen auf ihrem Weg zum Mittelmeer. Das Verkehrsgewühl von Koper und Izola zog sich letztlich bis Piran. Autos wurden aus der dortigen Innenstadt ausgesperrt, da ihnen an der Zufahrt eine Schranke den Weg versperrte. Motorräder wurden kostenfrei durch gewunken, richtig so! Und es fand sich sogar der Weg bis zur Promenade, an der sich gemütlich ein Cappuccino schlürfen ließ, bei hochsommerlichen Temperaturen unmittelbar am Rand des plätschernden Mittelmeers.

Frisch gestärkt war es nur ein Katzensprung bis zur Grenze. Ohne Kontrolle ging es in den kroatischen Teil Istriens, bei mehr als 30°, auf Straßen die breit waren wie eine Landebahn und zum allgemeinen Unmut voller Geschwindigkeitsbeschränkungen. Erstaunlicherweise war die generelle Begrenzung von 80 km/h auf Landstraßen vor nahezu jeder Kurve auf 60, oder sogar auf 40 km/h herab gesetzt, ohne allerdings nachfolgend eine Aufhebung ausgeschildert zu haben. So blieben nur die vorsichtige Beschleunigung und die Hoffnung, dass dort keine Geschwindigkeitsmessungen erfolgten. Die einheimischen Fahrzeugführer hielten sich offensichtlich an gar keine Regeln. Nach wenig erfreulichen 44 Kilometern fuhren sie bei Buzet zurück in die Berge, Richtung Slowenien. Eine schöne schmale Straße mitten durch die Natur, kein Haus, keine weiteren Spuren der Zivilisation über etliche Kilometer. Nur die Straße und … Geschwindigkeitsbegrenzungen. Kein Schatten weit und breit und auch kein kühlender Fahrtwind, allerschönste Kurven, um die man aber leider nur kriechen durfte. Eine überharte Bikerprüfung. Also zurück nach Slowenien, da wo man die versprochenen 90 km/h auch fahren konnte, da wo die Kurven so richtig Spaß machten.

Mehr und mehr reifte in einigen Köpfen der Wunsch, dem Gesamtpaket der heißen Gegend, den temporeduzierten Kurven und dem wenig einladenden Quartier Lebewohl zu sagen und in die Berge zurück zu kehren. Die einstimmige Zustimmung ließ den Vorschlag Realität werden und die organisatorischen Änderungen waren schnell eingeleitet.

Der Abschied aus Hrvatska wurde durch eine fehlerhafte Kartenzeichnung, der nicht existenten gelben Strecke von Jelovice nach Golac und eine ausgiebige Grenzkontrolle noch etwas hinausgezögert. Aber auch ein einsamer Grenzer braucht seine Existenzberechtigung und wenn im Schritt drei Personen täglich vorbeikommen, nun aber mal sieben auf einem Streich - dann ist der passende Zeitpunkt da, um staatliche Präzision zu demonstrieren. Klärende Worte eines Ungeduldigen sorgten jedoch für beschleunigte Bearbeitung und einen freundlichen Abschied, Schlipsträger unter sich.

Eine gewisse Ungenauigkeit des Kartenmaterials muss wohl generell hingenommen werden. Es gab Strecken die zwar verzeichnet waren, tatsächlich aber nicht existierten. Andere wiederum gestalteten sich auf der Karte identisch, vor Ort aber unterschieden sie sich in Schotterstrecke und großzügiger Asphaltpiste mit allen Accessoires. Wohl dem, der das richtige Näschen für die Auswahl hat.
Aber auch am Straßenrand wurde gelogen. So gab es dort den Hinweis auf eine Pizzeria, die tatsächlich aber nicht mehr existierte, was nach den Erfahrungen auch niemanden mehr wirklich verwunderte. Letztlich wurde ein Grundsatz klar: Es wird nur das nicht gefunden, was nicht existiert.
Also keine Pizza, sondern nach anstrengenden 260 km ein zweiter Versuch im „Gostilna Na Mostu“.

Beim Helm ab… wurde dem Hausherrn dann die neue Reiseroutenentwicklung mitgeteilt. Das personifizierte Selbstmitleid, vermeintlich gebeutelt von Balkan-Kriegswirren und EU-Mitgliedschaft, tatsächlich aber von der eigenen Lethargie, empfand dies zwar als Wasser auf seine rotierenden Leidensmühlen, aber die Caballeros waren in erster Linie zu ihrem eigenen Vergnügen auf Tour und konnten auf Einzelschicksale nur bedingt Rücksicht nehmen - und wenn dann nach dem Motto „Frauen und Kinder zuerst“. Pech gehabt.

Nichtsdestotrotz wurde das allabendliche Ritual fortgeführt, wobei die neue Entscheidung und ein gelungenes Mahl gefeiert werden konnten. Der Übermut einzelner mündete letztlich in einer unheilvollen Kurznachricht, die noch Wochen später diskutiert werden sollte. „Hey Claudi, be cool…“
Freitagmorgen trugen die Gastgeber Trauermienen und weinten still in den Kaffeeprütt, denn die goldenen Kühe zogen weiter. Zum Abschied wurde die Rechnung noch kräftig erhöht und die lauwarmen Hopfendosen der Vortage proportional zu ihrer Temperatur abgerechnet.
Im sicheren Wissen alles richtig gemacht zu haben spielten die Caballeros gelassen mit und schossen von dannen. Adieu AnaK.

Das genussvolle Einrollen begann hinter Postojna, entlang der 102 nach Idrija, die als Hauptverkehrsader mit einem liebenswerten Streckenverlauf überrascht und begeistert. Es folgte Motorradwandern in allerfeinster Landschaft auf der 610 nach Olakov Vrh, die zwar in Schotter überging und 9 Kilometer lang dabei blieb, was aber mittlerweile niemanden mehr erschreckte. Weiter über Tolmin, entlang der smaragdgrünen Soca, die dort in seegröße erschien und zur Pause einlud. Anschließend ging es in der gleichen, angenehmen Kurvenfolge nach Bovc und rechts ab zu den 49 Kehren des Vrsicpasses, der einzige Streckenabschnitt der Tour, der zweimal in die selbe Richtung befahren wurde - auf besonderen Wunsch der Mehrheit.
Dieses Teilstück offenbarte wieder einmal die volle Bandbreite der Spezies Motorradfahrer. Da gab es den ortskundigen FJR1300-Fahrer, der mit Sozia in beeindruckender Zügigkeit die Auffahrt hochfeilte und den Fireblader, der glaubte alles meistern zu können und nicht bemerkte, dass Luzifer auf seinem Soziussitz saß, um ihn vor die Felswand zu treiben. Und der Fireblader sich augenscheinlich alle Mühe gab, diesem Ansinnen gerecht zu werden.

Ein kurzer Fototermin auf dem Pass, ein Gruppenbild fürs Album des Lebens und weiter, da die Gewitterwolken immer bedrohlicher wurden und die gepflasterten Kehren warteten. Ebenso zügig weiter über Kranjska Gora, Jesenice in Richtung Loiblpass, wobei ihr Scout im Großstadtgetümmel die Auffahrt nach Begonie verpasste und stattdessen auf Radovljica zusteuerte, wie auch die Gewitterwolken. Da diese jedoch nicht an Geschwindigkeitsbeschränkungen gebunden waren, holten sie schnell auf und ließen ihre ersten dicken Tropfen fallen, just als eine Tankstelle am Horizont erschien. Ein beherzter Dreh am rechten Lenkerende und die Caballeros standen trocken unter dem schützenden Dach, als eine beeindruckende Wasserwand herabfiel. Der Imbiss für Maschine und Mann wurde ein wenig hinausgezögert und zwischenzeitlich erklärte der Tankwart, dass die gesuchte Auffahrt nur um 600 m verfehlt wurde. Eine zwischenzeitlich eingetroffene Gruppe triefender Bayern machte sich nach dem Schauer auf den gleichen Weg, führte den Tross noch naviunterstützt durch matschige Feldwege und verschwand dann am Ende der Landschaft. Die Caballeros fanden konventionell den weiteren Weg und stellten zu ihrer Verwunderung fest, dass die Straßen ab der Einmündung vollständig trocken waren. Hätte der Scout die Auffahrt gefunden, hätten sie den Regen nie gesehen. Hätten aber auch nicht getankt, kein Eis gegessen, die Nachteile von Tomtom Raider 1 nicht erlebt und zehn Zeilen weniger zu schreiben.

Die weitere Strecke war schmal, stark befahren und bis zur Auffahrt zum Loiblpass nur wenig attraktiv. Diese allerdings entschädigte wiederum umgehend dafür und bot eine durchaus schöne Straßenführung, die aber vom Verlauf der Abfahrt nochmals übertroffen wurde, wie es eine Teststrecke nicht besser könnte. Dazwischen lag der Tunnel, in dessen Mitte die Landesgrenze zwischen Slowenien und Österreich verlief. Die aufgrund des europäischen Wachstumsprozesses unnötig gewordenen und vereinsamten Grenzgebäude standen jeweils an den Tunnelausfahrten.


Nach 267 km erreichten sie den Rad-Gasthof „Schütz“, wo bekannt wurde, dass am selben Abend nebenan das traditionelle Feuerwehrfest stattfinden sollte, was zu unterschiedlichen Ideen anregte. Nach dem üblichen „Helm ab…“ kamen erste Regentropfen und die Fortsetzung des Abends wurde zusehends schwerfälliger, denn offensichtlich waren in den zurückliegenden Tagen und Kilometern etliche Körner aufgebraucht worden. Es dauerte ungewohnt lange, bis der „tote Punkt“ überwunden war, was ihnen zwar noch weitgehend gelang, für die Feuerwehr und deren Event jedoch nicht mehr reichte.
Durch die Änderung der Routenplanung stand am Samstag ein „Ruhetag“ auf dem Plan, was zur Folge hatte, dass nach dem üppigen Frühstück ganz gemäßigt in den Tag gestartet wurde. Das Einrollen fand in Zeitlupe auf dem Loiblpass statt und führte nach einem kleinen Fototermin in Richtung Trzic und weiter in die Berge Richtung Preddvor. Eine sehr wechselhafte, aber ebenso schön zu fahrende Strecke, über die sie den Seebergpass erreichten. Die Auffahrt vom Süden gestaltete sich anfangs noch ein wenig holperig, womit nicht die gut getarnte Geschwindigkeitsüberwachung gemeint ist, wurde aber zunehmend besser und entwickelte sich nach und nach zum reinen Vergnügen. In Jezersko wurde noch ein letztes Mal günstig getankt, für 1,15 Euro, bevor es auf den Pass zurück nach Österreich ging. Die Abfahrt bekam von nahezu allen eine glatte 1 und wurde zum besten Teilstück erklärt. In Bad Eisenkappel bogen sie links ab nach Ebiach, wo laut Touriführer „Florians Biker Museum“ zur Rast einlud, der aber entgegen der touristischen Beschreibung doch auch die Hand aufhielt.
Nach dem Kaffee führte der Weg in die Trögener Klamm, bei der es sich um einen eindrucksvollen Felseinschnitt handelte, dessen Sohle sich ein Bachlauf und eine schmale Straße teilten. Am Ende der Straße sollte eine kleine Kirche liegen, die jedoch weit hinter der fahrbaren Strecke gewesen sein musste, unerreichbar für ihre Maschinen, auch für die, die fälschlich Enduros genannt werden. Die günstige Konstellation aus fehlendem Zeitdruck, allerfeinstem Sonnenschein und herrlich klarem Bergwasser wurde zu einem erfrischenden Bad genutzt.
Der Rückweg über Zell Pfarre führte sie auf die Fährten des Trosses der Karawanken Classic, einer in der Region berühmten Youngtimerrundfahrt, die 2008 in der Steiermark ihre Runden drehte.

Kurz vor dem Tagesziel nährte die Karte die Hoffnung, dass die Strecke nach Zell-Oberwinkel auf dem Loiblpass münden könnte, was sich abermals als eine fehlerhafte Zeichnung entpuppte. Am Ende des Weges stand ein Sperrschild, was nur Forstleute ausnahm. Einige von ihnen sind im wirklichen Leben zwar nah dran, es traf letztlich aber doch nicht zu. Den Banditen trieb die Gelegenheit, seine Enduroqualitäten auszuloten. Leider führte auch das nicht auf den gewünschten Weg.
Das geschmeidige Ausrollen nach Ferlach reichte noch nicht allen, so dass es eine kleine Fraktion abermals auf den Loiblpass zog, gemäß dem bekannten Motto „aller guten Dinge sind drei“.
Nach den 178 km des Tages gab es dann doch noch ein gemeinsames „Helm ab…“

Der Gasthof Schütz wurde leider nicht in dem Umfang genutzt, wie er ihnen zur Verfügung stand, denn er bot neben der Garage für die Bikes und einem weitreichenden Garten mit Außenschwimmbecken auch noch eine Sauna und Whirlpool im Innenbereich. Vielleicht ein Anreiz, noch mal dorthin zurück zu kehren.
Wer hätte am Sonntagmorgen schon gedacht, dass dieser Tag ein besonderer werden würde, einer der in die Geschichte eingehen sollte. Natürlich war es von vornherein schon ein besonderer Tag, ein Sonntag und einer von zehn besonderen Tagen.
Die Sonne begleitete sie auf den Weg nach Klagenfurt, dort wo im Rahmen der EM-Ausrichtung ein nagelneues Stadion gebaut worden war, was die Deutsche Nationalmannschaft, nur wenige Tage später, für ihre ersten Gruppenspiele beherbergen sollte.
Auf den frisch asphaltierten Straßen der Umgebung ging es daran vorbei zum Wörthersee, vorbei an dessen dekadenten Prunkbauten und am gemeißelten VW Golf, über Velden nach Oberjeserz. Dorthin, wo sie mit ungläubigen Blicken auf das erste Phänomen des Tages stießen: die Kärtener Tannenbanane, gezüchtet an überflüssig gewordenen Fichtenstämmen. Eine gelbe, essbare Frucht, nicht zu verwechseln mit der hinlänglich bekannten „Tiroler Banane“, einem anerkannten Sexualforscher zufolge das optimale Instrument zur Erreichung der maximalen weiblichen Befriedigung.
Mit immer noch offenem Mund ging es über Feldkirchen zum Goggausee, zu einer Pause an einem Fleckchen Erde wie vom Obercaballero selbst gestaltet. Kaffee, Sachertorte und ein Blick auf den See, der sie verlockend zu einem Bad rief, dem sie aber doch widerstanden. Dies nicht zuletzt weil es sich zuzog, Wolken aufkamen und sie damit zur Weiterfahrt durch die Gurktaler Alpen aufforderten. Kurz hinter Flattnitz war es dann soweit. Die ersten Tropfen auf freier Wildbahn, kein schützendes Dach in Sicht, dunkelste Wolkenberge über ihnen, die Caballeros vor einem Regenschauer „on the road“ und das, obwohl weit und breit keine Damenbegleitung in Sicht war. Eine Tradition drohte zu zersplittern, das zweite Phänomen des Tages stand unmittelbar bevor. Blitzschnell in die Kunststoffhäute geschlüpft ging die Fahrt unerschrocken mitten durch das Unwetter. Ein Regenschauer wie geschaffen, die Dichtigkeit von Mann und Maschine zu testen. Es kübelte aus vollen Rohren, auf einer Strecke von vielleicht 5, höchstens 7 Kilometern. Der Schauer endete bezeichnenderweise in Kaltwasser und bis zum nächsten Tankstopp in Stadl an der Muhr war alles wieder getrocknet und konnte verpackt werden. Somit stand fest, die textile und metallene Technik hielt! Besten Dank für den Test.

Die gewählte Strecke führte über den Sölkpass, der trotz seiner lediglich 1790 m Höhe immer wieder Wetterunbilden bereithält und auch im August durchaus mal zugeschneit sein kann. Kurz vor der Anfahrt dorthin zog es sich abermals zu, ein Bushäuschen lud ein, die Entwicklung abzuwarten. Einer von ihnen meinte zwar, richtiger Regen sähe anders aus, wurde aber doch noch überzeugt. Nach der Zwangspause führte die Weiterfahrt immer wieder über nasse und trockene Teilstücke, woran sich die Willkür des Wetters erkennen ließ.
In Gröbming angekommen, 193 trockene und 5 nasse Kilometer von Kirschentheuer entfernt, wurden sie im Haus Bodenwinkler von Erich und Frau ortsüblich begrüßt, mit „kleinen“ Glasstiefeln, gefüllt mit klarem, brennbaren Fruchtsaft. Erich erklärte bei ihrem Bericht über die entdeckte, seltene Frucht mit entspannter Selbstsicherheit: „ Die österreichische Tannenbanane sann normalerweise a bisserl kleiner, geschmacklich sans aber besser als auf Gran Canaria.“ Daran zweifelte nun niemand mehr.
Seine Frage, ob die Pizzeria im Ort, oder die Weinstube im Tal für die Nahrungsaufnahme sorgen soll, war wohl rein rhetorisch, denn dass die Wahl auf eine originale Brettljause fiel, überraschte niemanden. Im Nachhinein erklärte sich auch sein hintergründiges Lächeln, als er sie fußläufig durch den Spitalgraben dorthin führte.
Und es erschien später, als hätte Buschi, der Wirt, auf sie gewartet, wie eine Spinne im Netz. Und sie stiegen hinein, unbedarft, wie der neugierige Jüngling der erfahrenen Dame folgt.

Eine „Brettljause“ (ein schlichtes Holzbrett mit Wurst aller Art, dazu Brot und Meerrettich -den man auch für geriebenen Käse halten konnte, was der ein oder andere zu seiner tränenreichen Überraschung auch tat-) für drei Österreicher, oder acht Deutsche.!? (Zitat Buschi) Nun ja. Begleitet von Rotwein aus Glaskrügen, immer wieder in Intermezzi mit diversen gebrannten Fruchtsäften. Der Abend schritt voran, das Brettl wurde fleißig und fast erfolgreich bearbeitet. Der Nachersatz des Rebensaftes schien unerschöpflich. Nach Eröffnung und feierlicher Einweihung des neuen Nebengebäudes, „Frau Buschi’s Hütte“, wurde von Buschi und seinem Schifferklavier musiziert und allen Anwesenden gesungen, in österreichisch (ausschließlich von Buschi) , deutsch (lalala) und holländisch (mmmhh).
Wann der Abend endete ist nicht überliefert, denn die Uhrzeit wurde nicht mehr erkannt. Mit dem Rest verbliebener Klugheit wählten sie den Heimweg über die Straße und nicht durch den Spitalgraben, der seinen Namen nicht grundlos trug.
Der traditionelle Scheidebecher brachte letztlich sogar den hartnäckigen Ostpreußen zur Kapitulation und die Nacht legte sich still über die globale Unvernunft und das dritte Phänomen des Tages.
An dieser Stelle sei Erich für seinen „hinterlistigen Trick“ und Buschi für seine herzliche Art, deutsche Gäste „vom Brettl“ stürzen zu lassen“ herzlichen Dank ausgesprochen.
Der Montag begann schwerfällig, verlangte nach einem spärlichen Frühstück, langsamen Bewegungen, mochte keine lauten Töne und unnötige Hast.
Nachdem sich alle weitgehend sortiert hatten, rollte die Karawane auf den Gröbminger Hausberg, den 1815m hohen Stoderzinken. Die Strecke war sauber, trocken, kurvig und sonnig. Voraussetzungen, wie sie sie sich wünschten, wenn sie mit dem Zweirad auf Tour gingen. Nicht aber, wenn man am Abend zuvor in Buschis Netz geraten war. Zunächst trieb sie nur der Gedanke voran, dass das Erreichen des Gipfels eine Pause versprach. Die Angst fuhr mit, oder sogar selbst.
Als genesungsbeschleunigend stellten sich oben im Berggastof Steinerhaus Frittatensuppe und Kaiserschmarrn heraus, die ihren Organismus wieder auf die richtige Schiene setzten.

So konnte die Rückfahrt nach Salzburg in Angriff genommen werden. Über Ramsau, unterhalb der beeindruckenden Dachsteingruppe entlang.
Und wie so oft in ihrer Geschichte trat auch hier der Zufall ein, als an einer Stelle, die für Erinnerungsfotos am geeignetsten erschien, sich eine Tür öffnete, ein freundlicher Anwohner heraustrat und sich bereitwillig als Fotograf zur Verfügung stellte.

Der Bundesstraße über Abtenau und Hallein folgend, wurden die Pausen immer kürzer und die Sorge immer größer, denn eine überaus bedrohliche Wolkenfront verfolgte sie. Letztlich rollten sie jedoch trocken durch das Gewühl der Salzburger Innenstadt, in der die nicht immer geliebte Uschi (Fr. Navi) zum Abschied noch eine Extrarunde präsentierte, zur Geduldsprüfung aller, entgegen der Beschilderung zum Bahnhof.

Aber sie erreichten nach 179 km pünktlich die Rampe und konnten direkt verladen, was vor der Abfahrt des Zuges noch ein warmes Mahl ohne große Gepäcklast ermöglichte.
Hierzu sollte sich, nach Tipp eines Taxifahrers, ein Fußmarsch von 2 km lohnen, führte jedoch vor eine verschlossene Pizzeriatür.
Nach kurzem Blick in ein Restaurant allerunterster Hygienekategorie trennten sich die verschiedenen Fastfoodfraktionen entnervt voneinander.

Der Abend klang aus, wie die Hinfahrt begann - fast so, denn Hettis Frikadellen fehlten.
Die Ruhe der Nacht war so, wie sie es kannten und liebten, ruhelos.
Nun muss auch an einer Stelle dieses Berichts auf das Wetter eingegangen werden, einer Facette des Motorradfahrens, die nicht völlig unerheblich ist.
Genau eine Woche vor Antritt der Reise wies der Wetterbericht für die Nockalmstraße 1° C und Schneefall aus, im sonstigen Österreich 11-13° C und Regen. Slowenien meldete 11-15° C, Regen und Gewitter und selbst Kroatien teile für die Urlaubsregion Istrien 17° C, Regen und Gewitter mit. Bedingungen, die die Vorfreude nicht besonders intensiv steigerte.

Es ist mittlerweile auch Außenstehenden bekannt, dass das Caballerodasein ein besonderes ist und sie, wenn sie reisen, mit dem Obercaballero im Bunde zu stehen scheinen. Der Wettertrend für die genannten Regionen vermeldete zum gleichen Zeitpunkt immerhin steigende Temperaturen und nachlassende Niederschläge.

Am Reisetag war das Treffen für 18 Uhr angesetzt, um genug Zeit zur Anfahrt und zum Einchecken zu haben. Um 16:30 Uhr regnete es. Um 17:30 endete der Regen, die Sonne kam hinter den Wolken hervor, die Straßen trockneten ab. Der erste Streckenabschnitt wurde noch mit Fleecepulli zurückgelegt, der jedoch schon am Treffpunkt im Tankrucksack verschwand und -was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste- in der kommenden Woche kein Tageslicht mehr sehen sollte.
In Österreich angekommen war der Himmel bedeckt, doch schon zur Frühstückspause riss er auf, die Sonne zeigte sich und zog die Temperaturen in den hohen 20er Bereich. Sie begleiteten die Caballeros zur Kölnbreinsperre und am nächsten Tag weiter nach Kranjska Gora. Dort wurden für den nächsten Reisetag sogar 37° C vorhergesagt.
Am Abend zuvor hatten sie noch ein Gespräch unter Einheimischen belauschen können, die sich darüber unterhielten, dass in der Region innerhalb einer Woche ein Umschwung von Winter auf Sommer stattgefunden hatte, ohne den Frühling erlebt zu haben.
Mit entscheidend zur vorzeitigen Rückreise aus dem Süden Sloweniens war die Tatsache, dass gefühlte 45° in Kroatien nicht zum Inselhopping einluden, so wie es eigentlich geplant war, somit ein Adieu den geplanten Ausflügen nach Cres und Krk.
Die Wettervorhersage für den Freitag beinhaltete Regen und Gewitter, die ersten Tropfen hatte es bereits in der Nacht gegeben.
Die versprochenen Gewitterwolken folgten ihnen den Tag über und erreichten sie fast schon am Vrsicpass. In Radovljica erwischte sie dann doch der erste Live-Schauer des Urlaubs, allerdings dort, wo der Weg eigentlich nicht hätte hinführen sollen. Sie konnten sich unter einem Tankstellendach entspannt die Kapriole ansehen und setzten anschließend die Fahrt auf dem vorgeplanten Weg fort. Die Strecke, die sie eigentlich hätten fahren sollen, war trocken geblieben. Kein Scherz! Noch Fragen?
Die einzigen wenigen Tropfen fielen auf ihre Häupter, als der Helm schon lange abgelegt war.
Am nächsten Morgen war der Himmel blau, die Sonne brannte.

Bis zum Sonntagnachmittag galt: Regenfahrten finden nur mit weiblicher Begleitung statt.
Dann allerdings schlug Petrus zu und erwischte sie, auf fünf Kilometern zwischen Flattnitz und (sehr bezeichnend) Kaltwasser. Ein Traditionsbruch - oder nur ein Materialtest? Vermutlich letzteres, denn es blieb anschließend trocken, bis etwa eine halbe Stunde nach ihrer Ankunft in Gröbming. Dann begann der Regen wieder.
Und am nächsten Morgen ? Die Sonne brannte vom blauen Himmel, auch auf dem Stoderzinken und am Dachstein. Und obwohl sich die Wolken nach und nach auftürmten und unaufhaltsam den selben Weg nach Salzburg nahmen, blieben die Caballeros trocken. Ein kleiner Streifen blauer Himmel im Blick reichte aus und ermöglichte sogar noch einen trockenen Stadtrundgang.

Im Flurgespräch im Zug erfuhren sie von anderen Bikern, dass es in Kärnten an jedem Tag der Woche geregnet hatte und viele Kilometer im Nassen gefahren wurden. Es gab sogar eine Gruppe, die extra eine Tunneldurchfahrt einlegte, um wenigstens mal ein Teilstück trocken fahren zu können. Bedauernswert, aber unerklärlich.
Am frühen Dienstagmorgen begann dann doch der Regen, schon weit vor Bonn. Als sie den Düsseldorfer Bahnhof erreichten, war er in voller Ausdehnung. Die Wartezeit, das Abladen, alles fand im Regen statt. Also Regenkombi an, Gepäck verzurrt, Blick in die Runde, das Signal zur Abfahrt und dann…
…der Regen hörte auf, ein letzter Tankstopp an der A 52 und weiter Richtung Heimat. Der Himmel zog auf, kein Regen weit und breit, die Straßen trockneten ab. Die Regenkombi blieb das Kleid des Angsthasen.
Das absolut Unglaubliche kam Minuten nach der Rückkehr in die heimische Garage: Es begann zu regnen.

Anfangs überwog das Albern über die kuriosen Wettererscheinungen. Später wurde man doch verwundert auf diese erstaunlichen Zusammenhänge aufmerksam.
Mittlerweile ist jedem dieser Zauber bewusst geworden und er stellt sich die Frage: WARUM?
Ist es nicht ein besonderer Luxus, sich zu einem überaus positiven Ereignis diese Frage stellen zu können?

Zweitausend trockene Kilometer durch fünf Länder, viele neue Kontakte und Erfahrungen, hunderte Kurven und Kehren, hunderte Steigungen und Gefällestrecken, Schotter- und Rennpisten, alles ohne echte Brisanz oder gar Gefahren, überaus viel Sonne und ein klein wenig Regen, Glück und Zufriedenheit, Freundschaft und Wohlwollen, Spaß und Lebensfreude.

Gibt es wirklich noch Zweifel an der Existenz des Obercaballeros?
P.S.:
Kroatien:
Selbst der Lenker war so heiß, dass man ihn nicht anfassen mochte. :-)
Blick nach vorn...blauer Himmel
Blick nach hinten...Wolkenbruch
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Ein Einblick in die Tiefe einer Caballeroseele.